30.06.2009

Neue Albenreviews

Hier mal die Alben, die ich mir in den letzten Monaten kaufte und spielte:

Bob Dylan - Tell Tale Signs (2008) [*****]
- Brilliante Versionen bekannter Songs.

Bruce Springsteen - Working on a Dream (2009) [***]
- Gutes Album, bleibt aber weniges hängen

Conor Oberst and the Mystic Valley Band - Outer South (2009) [****]
- Nicht ganz so gut wie sein Solo-Debüt, aber gewohnt melodiös

Fleet Foxes - Fleetfoxes (2008) [****]
- Fast eine *****. Erinnert mit den Chören an CSNY. Originell produziert und genial gesungen

Iron & Wine - Around the Well (2009) [****]
- Besser als die Kritiken sagen. Ruhige, schöne Folk-Melodien.

Neil Young - Fork in the Road (2009) [***]
- Einfacher und unterhaltsamer Rocker.

Pete Doherty - Grace/Wastelands (2009) [**]
- Kritikerliebling, ist gegenüber den Babyshambles/Libertines Alben aber totlangweilig.

U2 - No Line on the Horizon (2009) [***]
- Fast eine ****, besser als die beiden Vorgänger, aber die alte Größe wird nicht erreicht.

29.06.2009

Classic Games - 1993 - Teil 1

1993 war das vielleicht beste Spielejahr aller Zeiten. Natürlich ist so eine Einschätzung auch immer subjektiv. Vielleicht kamen in 2008 mehr gute Spiele raus. Aber wer 1993 weit mehr Zeit als heute hatte, seine erste PC Player kaufte und sein erstes MS-DOS System, einen 386er DX 40 mit 105 MB Festplatte, aufbauen durfte, kann auch ob des süßen Geschmacks der Nostalgie auf kein aktuelleres Jahr kommen. Nach dem stark Action-orientierten Amiga-Gedaddel in den frühen 90ern machten die schönen und innovativen PC Spiele mächtig Eindruck.
Aber nicht nur die Goldene Zeit der DOS-Spiele war auf dem Höhepunkt, auch ein berühmter Handheld zog seinen Siegeszug fort: Der Gameboy.

Fortgesetztes Gehüpfe
Und für genau den kam '93 das geniale Super Mario Land 2 raus. Man mochte es eigentlich noch weiter in der Vergangenheit vermuten, vergleicht man es mit anderen Spielen diesen Jahres. Level für Level in herrlicher Graustufen Optik, brilliantes Leveldesign trotz der Abwesenheit von Miyamoto im Entwicklungsprozess (Hiroji Kiyotake war der Hauptverantwortliche für das Spiel).


Super Mario Land 2 (Gameboy)

Aber nicht nur die grümelige Grafik des Vorgängers (damals hatte Mario gefühlte 3 Pixel) wurde ordentlich aufgemotzt, wie bei Super Mario World auf dem Super NES konnte unser Klempnerfreund nun auch frei nach rechts oder links laufen und springen. Das Spiel war angenehm lang, was bei dem damals beeindruckenden Umfang von 4 MBit (Ja, das sind 512 KB und das war damals für den Gameboy das Maximum der verfügbaren Spiele) nicht verwunderlich war.
Ein wunderbarer 2D-Mario also, für den Fans bis 2006 auf einen echten Nachfolger warten mussten. Erst dann kam New Super Mario Bros für den Nintendo DS heraus, der erste 2D-Mario seit damals.

SML2 Test @ Powerplay 1/93
SML2 Test @ ASM 2/93

Überlebenserstling
Aber neben dieser gelungenen Fortsetzung starte auch einen Erstling, die bis heute in Spielen und leider auch Filmen Remakes und Sequels nach sich zog. Man kann es als geistiger Urvater von Resident Evil und damit auch der Silent Hill Reihe bezeichnen. Die Rede ist von Alone in the Dark.


Alone in the Dark (MS-DOS)

Die Grafik bestand damals aus hübsch gezeichneten, statischen Hintergrundbildern, die Protagonisten hingegen aus butterweich animierten, aber furchtbar klobigen Polygonhaufen. Zum ersten mal paarten sich hier Adventure- mit Actionelementen im heute bekannten Survival-Horror-Stil. Damals allerdings noch weit weniger hektisch als beispielsweise bei dem actionlastigeren Resident Evil und dem noch schnelleren Silent Hill. Durch die Bitmap/Polygonmischung gelang ein effektiver, den damaligen Hardwarebeschränkungen geschuldeter, Grafikstil, der wunderbar die gruselige Atmosphäre auffangen konnte.

Alone in the Dark Test @ Powerplay 1/93

Pixel waren gestern
Ein anderes Spiel machte einen besonderen Grafikstil berühmt. Der Stil hieß Voxel, dass legendäre Spiel dazu Comanche. Bei Voxeln (volumetric pixel) handelt es sich um dreidimensionale Pixel, die für damalige Verhältnisse eine besonders plastische Umgebungsdarstellung boten, ganz ohne klobige, texturfreie Polygonflächen.


Comanche (MS-DOS)

Die spielerischen Qualitäten traten damals recht weit in den Hintergrund, was bis heute haften bleibt ist die ungewöhnliche und überzeugende Grafik. Wirklich auf der breiten Front durchgesetzt hat sich die Voxeltechnick allerdings nie, mit besserer Hardware waren immer detailliertere Texturen auf den Polygonen möglich.

Comanche Test @ Powerplay 1/93
Comanche Test @ ASM 1/93

Geniales von den britischen Brüdern
Auf dem Amiga gab es so einige begnadete Entwicklerstudios. Krines war begnadeter als die Bitmap Brothers. Bis '92 hatten sie bereits den Shooter Xenon, das "Sportspiel" Speedball (beide 1988), Xenon 2 Megablast (1989), das Action-Adventure Cadaver (1990), Speedball 2: Brutal Deluxe (1990) und die Jump'n'Runs Gods und Magic Pockets (beide 1991) fabriziert. 1993 schließlich folgte das BB-Spiel schlechthin: The Chaos Engine. Grandiose Steampunk-Grafik von Dan Malone, ein treibender Soundtrack, glasklare Sprachausgabe und perfekt designte Levels.


The Chaos Engine (Amiga)

Besonders der KoOp-Modus damals, für einen zweiten Spieler an einem zweiten Joystick, war damals schlichtweg brilliant. Etwas besseres haben die Brüder nicht hinbekommen können.

Chaos Engine Test @ Amiga Joker 2/93
Chaos Engine Test @ PowerPlay 2/93

26.06.2009

Kommentar zur Bundestagswahl 2009 II

Der Wahlkampf der Union ist wie immer beeindruckend. Beeindruckend konfus und unerhöhrt fehleranfällig (Das bislang desaströse Abschneiden der SPD behandelte ja bereits der erste Artikel). Kaum dass es in den finalen Wahlkampf geht, mit gewohnt deutlicher Führung, hat ein wichtiges Unionsmitglied noch ein Ass im Ärmel. Zumindest für die politische Konkurrenz. Waren es '05 noch die Aussagen eines hochintelligenten Unpolitikers und das letzte Mal in Hessen die Jugendlicher-Ausländer-Karte, so sorgt dieses mal der Baden-Württembergische Landesfürst mit der Bestätigung von Gerüchten dafür, dass sich die SPD auf die nächste Sonntagsfrage freuen darf.
Bereits Anfang der Woche kursierten die ersten Behauptungen angeblich informierter Kreise, dass die CDU/CSU eine satte Mehrwertsteuererhöhung plant. Und dass, obwohl sie sich doch bislang im Wahlkampf auf einen ob der desolaten Haushaltslage gefährlichen Steuersenkungskurs eingeschossen hatte. Die Gerüchte waren vielfältig. Von einem allgemeinen Satz von 21%, über eine Angleichung des vergünstigten Satzes bis hin zur Angleichung auf 18% war die Rede. Oettinger war allerdings etwas zahmer. Ein oder zwei Prozent auf den vergünstigten Satz, mehr nicht. Nur steht das dem aktuellen Wahlprogramm der Union eklatant abweichend gegenüber.
Vielleicht holt Angela Merkel demnächst noch jemanden dazu, der Herrn Oettinger erklären kann, was ein, zwei Prozent an Stimmen bedeutet. Das müsste dann jemand sein, der gut rechnen kann. Vielleicht ja ein Professor aus Heidelberg...

21.06.2009

Review Palm Pre

Nicht zum ersten Mal taucht der Begriff iPhone-Killer auf, bislang konnten aber alle LGSamsungNokiaExpress zumindest noch keine relevante Konkurrenz zu Apples Überprodukt aufbauen. Bislang fehlte hierfür immer ein entscheidendes, neues Feature. Meist schafften es rivalisierende Smartphones lediglich, ähnlich gut (Multitouch) oder etwas besser (Kamera) zu sein, eine wirkliche Revolution fand nicht statt. Und Kaufargumente wie der mittlerweile gewaltige Appstore sind auch erst einmal aufzuholen. Was also macht den Pre, das neue Produkt das schlingernden Ex-PDA-Giganten Palm, besonders? Da wäre zum einen Jon Rubinstein, der seit 2007 für den Smartphone-Hersteller arbeitet. Er war nach seiner führenden Arbeit bei Apple an dessen iPod aus der Frührente zu Palm gelockt worden und hat sich scheinbar sogleich an die Konzeptionierung eines neuen Gadget für den Massenmarkt gemacht, dass den Hersteller wieder auf die Spur bringen soll. Mittlerweile ist Rubinstein CEO von Pre, das erinnert stark an die Konstellation bei seinem früheren Arbeitgeber. Das Pre selbst ist von der Fachpresse begeistert aufgenommen worden. Grob umfasst ist es ein typisches 09er Smartphone. Tolles Design, großer Multitouchscreen, High-Speed-Mobiles Internet und als kleine Neuerung kabelloses Aufladen durch elektromagnetische Induktion. Als Betriebssystem kommt das linuxbasierte webOS, der Nachfolger von Palm OS, zum ersten Mal auf einem Smartphone zum Einsatz. Das schaut gut aus, unterstützt das bereits erwähnte Multitouch und bietet gegenüber dem iPhone echtes Multitasking. Unterhalb des Touchscreens kann als Slide eine elegante kleine QWERTZ-Tastatur ausgefahren werden, das ist deutlich sinniger als beim G1. Eine Synchronisierung am PC ist ironischerweise via iTunes möglich, falls Apple für das nächste Update keine Pre-Sperre einbaut.

Ob Design, Betriebssystem, Tastatur und Multitasking dafür ausreichen, aus dem Pre einen Erfolg oder gar einen iPhone-Killer zu machen, steht freilich in den Sternen. Einen 50.000 Applikationen schweren Store kann Palm sicher nicht binnen kürzester Zeit aufbauen. Die ersten veröffentlichten Zahlen lassen für Palm allerdings einiges hoffen. Seit 6.6. ist das Smartphone in den USA erhältlich, wann und bei welchem Provider es in Deutschland erscheint ist noch offen. (dc)

Links:
article@wired.com
offiziell@palm.com
review@chip.de

20.06.2009

Iran 2.0

Dem ein oder anderen Uneingeweihten ist es vielleicht zum ersten Mal aufgefallen, als er bei Twitter unter seinen Followers zig grünliche Icons fand oder die Freunde bei Facebook auf persisch schrieben. Das Web 2.0 ist endgültig zu einem Global Player in politischen Angelegenheiten geworden. Um den iranischen Oppositionellen Unterstützung aufuzeigen, färben viele User bei Twitter ihre Avatarbilder Grün, die Farbe der Demonstranten. Die Location ihres Acounts setzen viele auf Teheran, Iran, was die regierungsnahe Zensur erschwert. Die neue Unterstützung für Persisch inklusive Übersetzungsdienst bei Facebook wird nicht nur von Iranern oder ausländischen Sympathisanten, sondern auch von Hossein Mousavi selbst zur Übersetzung seiner Homepage auf Englisch.
Twitter selbst verschob aufgrund seines Daseins als wichtiges Kommunikationsmedium der oppositionellen Demonstranten eine geplante Downtime. Das Gerücht, Twitter hätte aus US-Amerikanischen Regierungskreisen eine Weisung hierfür bekommen, verneinte Biz auf dem offiziellen Twitter-Blog.
Gerade in Staaten mit rigoros kontrollierten Kommunikationswegen ist der zwittschernde Dienst neben der bevorzugten 1-zu-1 SMS mittlerweile zu einer tatsächlichen Institution herangewachsen, mit einer Bedeutung weit über blitzschnellen Amateurnews bei Flugzeugabstürzen hinaus.

Time Artikel zu Twitter

War in der vorletzten Printausgabe, online steht er hier. Besonders für Leute geeignet, die (noch) nicht so recht wissen, was genau man mit dem Gezwittscher alles anstellen kann.

Pokersession Allzeitchart

Nach 35 Sessions wirds mal wieder Zeit für den Jahresübergreifenden Chart der aktuellen Stammspieler (vor allem weil ich da so gut drauf ausschau :D). Aber was die mittelfristige Chartanalyse angeht, hat Armin eine noch bessere Unterstützungslinie.

16.06.2009

Pokersession 05/09

Danke an Armin für seinen Bericht:
„Die letzte Pokerrunde am Montag fand erneut in der Ur-Besetzung Heiko, Dan, Holger und Armin statt. Die gesamte Session war wieder durch viele schnell entschiedene und langweilige Pötte geprägt. Nachdem Pre-flop all reinlimpten, wurde dann reihum gecheckt, schließlich erhöhte einer um 25 und der Rest foldete. So lief eine Viehlzahl von Händen ab. Die Stacks der Spieler veränderten sich nur leicht und es gab keine großen Veränderungen.
Mich traf es dann in der Mitte der Session relativ hart mit AK von Pik als Starthand gegen Dan mit 9,10. Dan floppte das Fullhouse, ich den Nut Straight Draw, dann noch den K auf dem Turn und schließlich der Nut-Flush auf dem River, also All-in und call und schon musste ich nachkaufen.
Zwischendurch gab es noch ein paar weitere Full-Houses bzw. Drillinge gegen Two Pair, aber die Stacks der Spieler veränderten sich nicht wirklich groß.
Außer dass mein Stack immer weiter abnahm. Mit den beiden roten Assen als Starthand und 3 Pik auf dem Flop musste ich die Hand gegen eine Raise von Heiko aufgeben.
Schließlich noch die letzte Hand des Abends, ich mit A10, floppe A10, schiebe meinen zu diesem Zeitpunkt auf 85 geschrumpften Stack all-in, Dan callt mit dem open-ended straight draw und trifft. 1000 Miese und der erste Platz war wieder weg.
Heiko und Holger können etwas aufschließen. Dan hat sich klar in Führung gesetzt. Das Jahr ist noch jung und I´ll be back. Hasta la vista Baby.“

Lustig wars, und zum zweiten Mal in Folge ein Wechsel an der Tabellenspitze! Dahinter blieb alles beim alten, aber zwischen den Plätzen 2 und 4 sind bislang auch "nur" 1400 Chips. Wenn man mal an Armins 2900er Abend in 04/09 denkt. Achja, übrigens, das war heute die insgesamt 35. Session. Nur nicht für Holsch, der hat viermal gefehlt ;)

Ergebnis Pokersession 05/09:
1. Heiko 470
2. Dan 340
3. Holsch 190
4. Armin -1.000

Aktuelle Tabelle nach Pokersession 05/09:
1. (2) Dan 1.750
2. (1) Armin 945
3. (3) Holsch -140
4. (4) Heiko -530
5. (5) Julia -2.125

14.06.2009

Kommentar zur Bundestagswahl 2009 I

Die SPD hat diverse Probleme. Sie sind natürlich auch Münte und Steinmeier bekannt. Aber aufgegriffen und behandelt werden sie nicht alle. Da wäre zum einen die Linkspartei. Viele aus dem linken Flügel sind zu Oskars Populistenhaufen übergelaufen, die CDU hüpft selbst nach links, was ist also die vermeintliche Lösung? Selbst weiter nach Links rücken. Das Problem hierbei ist nur die sogenannte Mitte und die Anhänger des rechten Wirtschaftsflügels in der SPD, die gerne den anderen Stein* als Kanzlerkandidaten hätten. Es kommt nicht nicht von ungefähr, dass die FDP derart innerhalb der Krise erstarkte. Das ist kein Widerspruch, es geht hier nicht ursächlich um neoliberales Gedankengut, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung an Wirtschaft und den Märkten.
Ein weiteres Problem ist der Kandidat. Steinmeier erinnert sehr stark an Schröder, sowohl von seiner Ausrichtung als auch seiner Stimme, wenn er genauso röhrt wie Schröder in '98, '02 und '05. Allerdings hat er zum einen nicht dessen Charma, zum anderen schwierigere Gegner. Gegen Merkel verlor auch Schröder, und mit dem Kanzlerbonus und der Bloss-Nicht-Festlegen-Haltung von ihr, käme auch Schröder schwierig an. (Bei den beiden Siegen in '98 und '02 durfte Schröder gegen einen über seiner Zeit regierenden Kohl und einen hoffnungslos unpopulären Stoiber antreten).
Die Linke scheint fürs erste ihren Zenit hinter sich zu haben, in einer wirklich großen Krise wollen die Bürger keinen Protest, sondern Kontinuität. Dennoch wandern die Menschen von den Volksparteien ab. Die Union wird nur mit einer erstarkten CSU Chancen auf ein gutes Ergebnis im September haben, die Leute scheinen nach aktuellem Stand eher zu Grün oder Gelb zu tendieren.
Im schlimmsten Fall, und der ist leider relativ wahrscheinlich, steht eine Fortsetzung der Großen Koalition nach der Wahl an. Hoffen wir, dass der Wähler, wie auch immer, anders entscheidet. Ich hab meine Stimme auch noch nicht vergeben.