01.01.2010

D.T. Suzuki - Leben aus Zen

Schon seit einer kleinen Ewigkeit hab ich dieses Standardwerk des (wie Shunryu Suzuki ihn nannte) "großen" Suzuki zuhause kurz angelesen im Schrank stehen und es mir in den Urlaub mitgenommen. Mittlerweile hat sich bei mir einiges an buddhistischer Literatur gesammelt, so dass ich mir das Buch mit der längsten Wartezeit mit in den kurzen Wellnessurlaub mitnahm.
Suzuki war ein sehr bekannter buddhistischer Gelehrter, der mit Mitte Neunzig in den Sechzigern starb. Er war maßgeblich an der Popularität von Zen im Westen beteiligt und schrieb seine Bücher auch häufig explizit für eben dieses Publikum unter Zuhilfenahme von Vergleichen der buddhistischen mit der christlichen Lehre. So auch in dem hervorragenden Einsteigerbuch "Die große Befreiung", das ich vor einigen Jahren laß.
Suzuki gibt zu Beginn des Buchs eine kurze Einführung in Zen und nimmt sich anschließend angenehm viel Zeit, über Satori zu sprechen. Auch hier greift er in anspruchsvoller, aber stets leicht verständlicher Sprache auf christliche Terminologie zurück. Im Kapitel "Satori" schreibt er beispielsweise über Zen-Satori: "Es ist mit Gott sein bevor er rief 'Es werde Licht'". Oder, besonders eindrucksvoll, im Kapitel "Wege zu Satori": "Die Menschen mögen glauben, daß Gott die Welt mit allen ihren sündigen Kindern geschaffen hat, und daß Er, der ihre Sünden nicht ertragen konnte, Mittel erfand, um sie zu retten, und daß der Intellekt eines dieser Mittel ist. In Wahrheit aber ist es Gott, der Sich Selbst sehen wollte und zu diesem Ziel die Welt erschuf mit ihren Geschöpfen, die Ihn zu erreichen suchen in Seinem eigenen Wunsch, Sich Selbst zu erschauen"
Ein Großteil des Buches ist allerdings in der gewohnten, buddhistischen Terminologie gehalten.
Suzuki führt im Folgenden seine Gedankengänge zur Methode des Koan auf, was auch für Soto-Anhänger sehr interessant zu lesen ist. Leider verwendet er bei Gegenüberstellungen des Mahajana zum Therevada den abwertenden Begriff Hinajana, das mag aber auch bei der Übersetzung geschehen sein.
Fast die gesamte zweite Hälfte der Lektüre befasst sich mit der Zen-Lehre des Hui-Neng, dem vermeintlivh ungebildeten, brillianten und revolutionären sechsten Patriarchen nach Bodhidharma. Suzuki schildert die Gegensätze der damaligen Ansichten der nördlichen und südlichen Schulen und räumt mit einigen häufig überzogen dargestellten Rivalitäten zwischen den Gründern, einer davon Hui-Neng, auf.
Suzuki schrieb das Buch mit Mitte Achtzig, und mit der ihm eigenen Intelligenz und Brillianz. Vielleicht richtet sich das Buch aber weniger an absolute Zen-Neulinge. Für alle anderen sehe ich es als Pflichtkauf.

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